Sicher in die neue Skisaisson: Die 10 effektivsten Übungen

Do it yourself

Klar: die beste Aus- und Fortbildung bieten die Profis in den Skischulen. Doch auch solo kann man sein Pisten- und Powder-Können enorm steigern – mit einfachen Übungen.

Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl: der erste Skitag der Saison. Rein in die Bindung, angeschoben, der erste Schwung. Und es läuft! Offenbar hat man während der endlosen Sommer­monate doch nicht alles verlernt. Okay, ganz so sicher wie am Ende des letzten Winters steht man noch nicht auf dem Ski, aber was soll‘s? Das wird schon wieder!

Doch bei aller Begeisterung: Die ersten Abfahrten sollte man mit »Halbgas« absolvieren. Und: Vorher das Aufwärmen nicht vergessen! Der Körper muss sich zunächst wieder an die ungewohnten Belastungen gewöhnen. Bänder, Sehnen und Gelenke sind zu Saisonbeginn besonders verletzungs­anfällig, denn der Muskelapparat arbeitet noch im »Sommermodus«. Das bestätigt auch der obligatorische Muskelkater nach dem ers­ten Skitag.

Kursziel: Sicher von rot nach schwarz

Apropos Muskelkater: Die ungeliebte und gern als altmodisch belächelte Skigymnas­tik ist und bleibt das beste Rezept, um den Körper auf die Saison vorzubereiten. Wer im Herbst fleißig trainiert hat, fährt bereits am ersten Skitag geschmeidig und sicher – und am zweiten vielleicht sogar ohne fieses Nachglühen in den Oberschenkeln.

Nach dem Einfahren fühlt man sich auf seinen Pisten wieder »daheim« – und strebt nach Höherem. Für viele heißt das Ausschau halten nach den Pistenschildern mit der weißen Zahl auf schwarzem Untergrund. Auf den schwarzen Pisten zeigt sich, wer wirklich Skifahren kann: steil, harter Untergrund, manchmal Buckel oder Eisplatten.

Egal, ob Sie am Saisonstart noch ein bisschen wackelig auf dem Ski stehen oder sich bislang eher auf roten Pisten getummelt haben: Der Sprung von mittel nach schwer gelingt mit Anlauf besser. Der Do-it-yourself-Skikurs hilft Ihnen dabei – mit einfachen Übungen, die Sie zwischendurch einbauen können. In diesem ersten Teil geht es um dieAuffrischung Ihrer Technik, im kommenden Heft um den sicheren Umstieg auf wirklich anspruchsvolle Pisten – und im dritte­n Teil um eine bessere Performanc­e im tief­schwarzen Bereich.

Entsprechende Übungen gibt es auch für die Powder-Jünger. In jeder Folge dieses Workshops geht es tiefer in den Tiefschnee: zunächst neben die Piste, dann auf die Variantenabfahrten des Skigebiets und zum krönenden Abschluss auf eigene Faust ins Gelände.

Leichte Übungen: belasten, kanten, drehen
Die Übungen sind leicht nachvollziehbar und auch ohne Video-Mitschnitt zu kontrollieren. Sie zielen auf die drei Grundfunk­tionen des Skifahrens ab: Belasten, Kanten und Drehen. Das Be- bzw. Entlasten der Ski macht die klassische Schwungeinleitung überhaupt erst möglich. In der Regel geschieht das durch eine Aufwärtsbewegung des Körpers. Der dosierte Einsatz der (hoffentlich gut geschliffenen) Kanten gelingt im Normalfall durch Bewegung im Sprung-, Knie- und/oder Hüftgelenk. Tempokontroll­e, sauberes Kurvenfahren und Sicherheit auf Eis, das alles hängt vom Einsatz der Kanten ab. Spielen diese Bewegungen perfekt zusammen, gelingt das eigentliche Drehen der Ski fast von alleine.

Die Übungen rechts sollen Ihnen mehr Sicherheit auf der Piste verleihen. Beginnen Sie damit nicht gleich in einer Steilzone, sondern auf vertrautem Level (z. B. rote Pis­te). Wenn Sie dort gut zurechtkommen, steigern Sie die Schwierigkeit allmählich durch die Wahl immer anspruchsvollerer Pisten.

Keine Angst vor tiefem Schnee

»Tiefschnee? Lieber nicht. Habe ich mal probiert und mich gleich kopfüber eingegraben – und dann musste ich noch 20 Minuten lang meinen Ski suchen… Und gefährlich soll das ja auch sein!«

Erstaunlich viele gute Skifahrer haben beim Thema Tiefschnee Hemmungen. Dabei ist der Einstieg ganz einfach, denn die technischen Grundlagen fürs Powdern hat jeder Pisten-Könner größtenteils schon im Gepäck. Durch einfache Vorübungen auf und neben der Piste können die Bewegungsabläufe verinnerlicht werden, die abseits der präparierten Pisten elegante Powderturns ermöglichen.

Die ersten Übungen für Tiefschnee-Novize­n zielen insbesondere auf Vertikalbewegung und den Körperschwerpunkt über dem Ski. Mit ein wenig Praxis fühlt man sich auf dem ungewohnt weichen Untergrund deutlich besser. Und schon bald wird so die Faszination Tiefschnee erlebbar: das Ein- und Auftauchen im lockeren Schnee, das Gleiten durch die funkelnden Schnee­kristalle, der Rhythmus der Schwünge. Wer einmal eine perfekte Fahrt durch frischen Powder hingelegt hat, wird dieses Gefühl nicht mehr missen wollen.

Im Idealfall mietet man sich beim Skiverleih ein paar breite Latten, mit denen Powder­fahren erst richtig Spaß macht. Ersatzweise tun es für die ersten Übungen aber auch die normalen Pistenski – die breiten Schaufeln moderner Carver helfen beim Aufschwimmen. Ist man auf den Geschmack gekommen, bietet sich als nächster Schritt die Anschaffung von Allmountain-Ski an: die vollschlanken Allrounder pflügen sicher durch den Tiefschnee, machen aber auch auf der Piste noch eine gute Figur.

Erste Schwünge neben der Piste
Für die ersten Versuche im unpräparierten Gelände genügt die Umgebung der Piste. Nur wenige Meter neben der gewalzten Bahn lassen sich oft erstaunlich gut­e Tiefschneeverhältnisse finden, auch sind hier Lawinen meist kein Thema (sehr steile Passagen dennoch meiden). Tabu ist außerdem das Gelände neben Pisten in Gletscherskigebieten. Vor allem im Frühwinter lauern hier oftmals schon wenige Meter hinter der Pistenbegrenzung tiefe Spalten.

Tipp: Gut zum Üben sind auch Pisten mit einigen Zentimetern Neuschneeauflage. Wer nach nächtlichen Niederschlägen die erste Gondel erwischt, kann auf dem frischen Pulver ausgiebig trainieren, bevor die Pistenraupen dem Spaß ein Ende setzen. In der nächsten Folge: Variantenfahren. Viel Spaß bis dahin bei Ihren ersten Turns.