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Die Skischuh-Trends für die neue Saison

Bootfitting: 20 Prozent mehr Pisten-Performance

»Bootfitting« nennt man das Anpassen eines Serien-Skischuhs an den individuellen Fuß. Bei Profis und Skilehrern ist das Verfahren längst gang und gäbe. Immer mehr Sport­händle­r bieten den Service auch Normal-Skifahrern an. Aber was bringt‘s? planetSNOW fragte Fitting-Profi Sven Renz.

Fitting-Profi: Sven Renz führt mit seiner Frau Martina das Münchner Sporthaus Ertl/Renz.

planetSNOW: Sven, fährst du selbst einen peziell angepassten Schuh?

Sven Renz: Selbstverständlich. Ich habe einen »Problemfuß« mit Überbeinen und Spreizfuß. Wenn mir bei einem Schuh der Vorfußbereich passt, ist der ganze Rest zu groß und bietet kaum Halt. Persönlich fahre ich einen Rennschuh, der genau angepasst ist.

planetSNOW: Macht eine Skischuhanpassung nur bei Problemfüßen Sinn?

Nein. Jeder Rennfahrer fährt einen angepassten Schuh – unabhängi­g von seinem Fuß. Die Passform ist um Welten besser und somit auch die Kraftübertragung und die gesamte Performance auf dem Ski. Natürlich kann man in nicht angepassten Schuhen skifahren, genau wie man auch in Straßenschuhen von der Stange laufe­n kann. Aber ich behaupte: mit einem angepassten Schuh fährt fast jeder Skifahrer bis zu 20 % besser Ski, im Extremfall sogar bis zu 50 %.

High-Tech: Sven Renz vermisst den Kundenfuß im 3D-Verfahren.

planetSNOW: Wo wird beim Bootfitting angesetzt?

Die Möglichkeiten sind umfangreich, aber nicht unbegrenzt. Anpasse­n können wir nur hochwertige Skischuhe, da sich nur bes­tes Material entsprechend bearbeiten lässt. Das Hauptaugenmerk bei der Anpassung gilt der Schale. Weder Innenschuh noch Einlag­e können groß drücken – was Schmerzen bereitet, ist immer die hart­e Kunststoffhülle. Einfach nur eine Einlage in den Schuh zu packen, hat mit Skischuhanpassung noch nichts zu tun.

planetSNOW: Muss ich fürs Fitting neue Skistiefel kaufen?

Nein. Aber beim Neukauf wählen wir eine Schale, deren Grundform möglichst gut zum Fuß passt. Dazu verwenden wir neuerdings ein­e 3D-Vermessung. Wir haben alle gängigen Schalen vermessen und können diese im Computer mit dem Fuß des Kunden überblenden. So lässt sich der optimale Schuh finden und weiter bearbeiten. Aber natürlich passen wir auch mitgebrachte Schuhe an.

Sven Renz beim Bootfitting.

planetSNOW: Lohnt sich der Aufwand auch für den ganz normalen Skifahrer?

Jeder profitiert von einem perfekt passenden Skischuh. Er ist entscheidend für komfortables und auch sportliches Skifahren. Passt der Schuh nicht, bringt der beste Ski nichts. Unsere Kunden sind ganz normale Skifahrer, Skilehrer und Weltcupfahrer wie Felix Neureuther. 80 % unserer verkauften Schuhe gehen in die Werkstatt, bevor sie zum Einsatz kommen. Besonders Frauen sind begeistert, wenn der Schuh plötzlich passt und kalte Füße Vergangenheit sind. Leider sind die Passformen ab Werk gerade bei dem Damenmodellen imme­r noch nicht besonders gut.

planetSNOW: Wie lange dauert die Anpassung eines Skischuhs?

Meist anderthalb bis zwei Stunden. Manchmal sind auch zwei Termine mit jeweils etwa einer Stunde notwendig.

planetSNOW: Ein guter Skischuh kostet einige hundert Euro. Was muss man für die Anpassung veranschlagen?

Das Anpassungspaket kostet bei uns zwischen 30 und 80 Euro, egal ob Neukauf oder Gebrauchtschuh. Dazu kommt eventuell noch ein­e individuelle Einlegesohle für mindestens 60 Euro.