Individuelle Skischuh-Anpassung

Problemzone Überbein

Hoher Rist, Überbein in XXL am Knöchel und Überpronation – beim Blick auf meinen Problemfuß zuckt Spielmann nicht mal mit der Wimper.

»Schwierig, aber nicht unmöglich« lautet sein Urteil, worauf er mit einer Schieblehre den Fuß vermisst. Zu allem Überfluss gesellt sich auch noch eine schmale Fessel, die recht unvermittelt in dick­e Wadeln mündet. Er murmelt ein paar Skischuhnamen vor sich hin, verschwindet im Lager und kommt mit drei Kartons zurück. Zwei davon, so murmelt er weiter, kämen in Frage, aber der dritte wäre nach seinem Dafürhalten das Optimum.

Schnell ermittelt er die Innenmaße der Außenschalen und vergleicht sie mit meinen Fußraster, dann steht der dritte Schuh tatsächlich als erste Wahl fest. Nun folgt der vielleicht wichtigste Teil der Operation glückliche Füße, das Maßfertigen einer Einlegesohle. Sie soll, anders als die Version vom Orthopäden, keine Fehlstellung durch Gegendruck in die Knie zwingen, sondern die gottgegebene Fußsohle bestmöglich stützen. Das hilft gegen eingeschlafene Zehen und mindert den Spielraum im Fußgelenk, wodurch auch mein Überbein am Knöchel bei der Beuge nicht die Biege macht.

Parallel zum Sohlenschnitzen wird die Schale des Skischuhs in einem kleinen Ofen auf rund 100 Grad erhitzt. Anschließend schlüpft man samt Sohle und Innenschuh in die Schale und stiefelt solange durch den Laden, bis sich die Schale an den Problemzonen des Fußes entsprechend geweitet hat.

Bei besonderen Auffälligkeiten wie Hallux im Vorderfuß, Knöchelfehlstellungen oder extrem dicken Waden kommt das Corpus Delicti zusätzlich noch in den Schraubstock zur punktuellen Modellierung – hierzu hat Spielmann eigene Geräte und Methoden entwickelt. Dies­e Art der Feinjustierung ist nur bei Schuhen aus besonders hochwertigem Kunststoff möglich, was auch die stolzen Listenpreise der Schuhe im Schaufenster erklärt. Ab 350 Euro aufwärts ist man dabei.

Auf das vielerorts so populäre Schäumen des Innenschuhs greift Spielmann nur ausnahmsweise zurück. In 95 % aller Fäll­e findet er in der Vielfalt der mittlerweile angebotenen Skischuhe ein exakt passendes Modell, auch sei die Nachbearbeitung eines einmal ausgeschäumten Schuhs nur schwer möglich, so Spielmann weiter.