Skitest: 15 Offpisteski 2015

15 starke Ski für Gelände und Piste im Test

Offpiste Skitest Test Ski
Foto: Rossignol

Unterschiedliche Schneeverhältnisse und Geländeformen, steile Couloirs und enge Waldstücke – diese Alleskönner fürs Gelände können mehr als nur Tiefschnee. Vergleichbare Produkte im Test

Es ist die Frage, die wohl jeden Skifahrer beschäftigt, den es gerne mal ins Gelände zieht: Wie breit muss mein Ski sein? Logo, wenn der Powder hüfttief auf den Bergflanken ruht, bei jedem Schwung die weiße Pracht am Körper emporrauscht und einem für einen Augenblick die Sicht raubt, dann ist die Entscheidung klar: Ein fettes Powder-Teil muss es sein.

Doch Freeriden in Europa sieht meist anders aus. Keine Frage, auch hier gibt es erstklassigen Powder, doch die Berge unterscheiden sich deutlich von den Heli-Gipfeln Alaskas oder Kanadas. Statt in epischer Weite fährt man hier oft durch enge Rinnen, umzirkelt knifflige Steilabsätze oder schlängelt sich durch enge Waldstücke. Da wechselt die Hangexposition ebenso schnell wie die Hangbeschaffenheit. Windgangeln am Gipfel, perfekter Tiefschnee im Wald, Firn in der Sonne, Kunstschnee auf dem letzten Stück zum Lift – so sehen viele Offpiste-Abenteuer in den Alpen aus. Hinzu kommt, dass nur die wenigsten Powder-Fans bei jedem Tiefdruckgebiet losziehen können: Stichwort Arbeit oder Studium.

Da bleibt das wilde Freeride-Leben bei den meisten auf die Wochenenden begrenzt – und es gilt zu fahren, was der Berg noch hergibt. Doch darunter muss der Spaß im Gelände nicht leiden – vorausgesetzt, der Ski ist entsprechend vielseitig. Ein Ski, der im Gegensatz zu den reinen Powder-Planken und superfetten Freeridern mit Mittenbreiten jenseits der 100 Millimeter neben aller Tiefschneeperformance auch einen satten Kantengriff und ein gewisses Maß an CarvingEigenschaften besitzt. Kurzum: Ein optimal auf Alpenverhältnisse zugeschnittenes Offpiste-Modell – eine Art Eier legende Wollmilchsau fürs Gelände.

Zur Orientierung: Die Gewichtung zwischen Pisten- und Gelände-Performance kann man bei diesen Modellen etwa auf 30 zu 70 Prozent setzen. Wobei diese Gewichtung von Modell zu Modell variieren kann. Schon in der Breite offenbaren sich Unterschiede zwischen den 15 in Obergurgl getesteten Offpiste-Modellen. 92 bis 100 Millimeter spannen sich unter der Bindung. Und obwohl alle Testkandidaten mit Rocker ausgestattet sind, unterscheiden sich die Modelle doch sehr. Die Range reicht dabei vom genussvollen Gelände-Cruiser für erste Offpiste-Abenteuer bis hin zu sehr sportlich und straff abgestimmten Modellen für satte Big-Mountain-Lines mit überraschend präzisen Pisteneigenschaften.

Augenscheinlich ist jedoch, dass die aktuellen Modelle zum Großteil so vielfältig und breit ausgerichtet sind wie selten zuvor. Das erreichen die Hersteller durch das Anpassen von Tip und Teil, also Skispitze und Skiende, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Die breiteste Stelle des Ski (der Taper) rückt dabei näher zur Mitte. Verändert wird auch das Verhältnis von Rocker und Camber – mit verschiedenen Zielen: möglichst viel Auftrieb im Tiefschnee, zudem möglichst leichte Kurveneinleitung, dabei aber auch noch möglichst viel Stabilität und Performance auch auf härteren Unterlagen.

Nahezu durch die Bank überzeugen konnten die Ski beim Ausflug in das unverspurte und leicht zerpflügte Gelände. Hier schwammen die Ski angenehm harmonisch auf – die einen schon bei geringen Geschwindigkeiten und kurzen Turns, die anderen erst bei etwas mehr Speed. Der positive Eindruck setzte sich auch in hartem Geläuf oder auf der Piste fort, denn die Modelle des Jahrgangs 2014/2015 besitzen durchwegs einen guten bis sehr guten Kantengriff, neigen nicht zum Tänzeln – sind im Gegenteil sogar sauber auf der Kante zu carven und angenehm spurtreu.

Als besonders vielseitig und daher mit dem planetSNOW-Tipp ausgezeichnet erwiesen sich der breitbandige K2 Annex 98, der extrem vielseitige Line Sick Day 95, der sport- liche Nordica Nrgy 100, der genussvolle Rossignol Sin 7 und der ebenso spielerische wie sportliche Völkl Mantra.