Test: Hybridbekleidung 2016

Kombilösung: Hybridbekleidung

Hybridbekleidung im Test 2016
Foto: Benjamin Hahn

Aus verschiedensten Stoffen gefertigte Hybridbekleidung verspricht top Trageeigenschaften. Wirklich? outdoor hat aktuelle Hybridjacken und Hybridhosen getestet. Wie die Hybridbekleidung im Test abgeschnitten hat, erfahren Sie hier ...

Im Fahrzeugbau gehört die Kombination von Stahl, Aluminium, Magnesium und Kohlefaser zur hohen Kunst der Fertigungstechnik – so entstehen immer leistungsfähigere Modelle. Auch die Outdoor-Hersteller mischen verstärkt die unterschiedlichsten Materialien, um noch komfortablere, vielseitigere Jacken und Hosen zu entwerfen. Mit Erfolg, kommt die sogenannte Hybridbekleidung doch sehr gut an. Dabei verfolgen die Entwickler verschiedene Ansätze: Das Spektrum reicht von dünneren Oberteilen zum Drunterziehen aus Fleece oder Wolle über dickere Isolationsschichten bis hin zu Kleidung, die Wind und Regen abhalten soll. Bei letzterer werden elastische Softshellfasern, wasserdichte und atmungsaktive Materialien oder die vor allem unter Nordlandfreunden beliebten Polyester-Baumwoll-Mischgewebe wie das legendäre G-1000 von Fjällräven miteinander verarbeitet.

Vielfältige Hybridbekleidung

"Diese enorme Bandbreite spiegelt auch das Testfeld wider", sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Es besteht aus 19 Jacken und acht Hosen für Damen und Herren sowie einem Rock. Die Preise liegen zwischen 140 und 380 Euro. Alle Kandidaten wurden mehrere Wochen lang bei Sonnenschein und Schmuddelwetter getragen: auf Tageswanderungen, zum Klettern oder Trailrunning und im Alltag. Außerdem traf sich die outdoor-Crew im Donautal, um die Hybridbekleidung im direkten Vergleich zu beurteilen. Die imposante Felsenlandschaft bietet ideale Bedingungen: Es gibt lange schweißtreibende Aufstiege, karge Hochflächen, über die ein kalter Wind pfeift, und genügend Steilwände für kurze Kraxeleinlagen. Das Wetter spielte ebenfalls mit. Pünktlich zum Test fielen die Temperaturen von sommerlichen 20 Grad auf nur knapp über null Grad.

Während des wochenlangen Gebrauchs bestätigten sich die doch zum Teil sehr unterschiedlichen Charaktere der Kandidaten. "Damit Ihnen die Orientierung leichter fällt, haben wir die Jacken in drei Kategorien aufgeteilt", so Gnielka. Wind- und Kälteschutzjacken, dann etwas weniger warme Modelle, die dafür aber sehr gut Wind und Nässe abhalten und Oberteile zum Drunterziehen – vom dünnen Stretchfleece bis zum Kandidaten aus einem flauschigen Hochflor- Faserpelz, der selbst bei klirrender Kälte behaglich wärmt.

Wind- und Kälteschutz Hybridjacken

Foto: PatitucciPhoto
Viele Hybridmodelle kann man das ganze Jahr über auf seinen Touren einsetzen.

Der Einsatzbereich der Hybridjacken aus dem Wind- und Kälteschutzsegment lässt sich mit dem einer Softshell vergleichen: Sie empfehlen sich als äußere Lage für kühles, windiges Wetter, stecken kurzen Niesel weg und lassen sich im Regen oder bei starker Kälte unter einer wasserdichten, atmungsaktiven Funktionsjacke tragen. Als klarer Sieger geht hier das Ortovox Piz Palü Jacket hervor. Bei ihm mischt Ortovox mit Wolle gefülltes Nylon und ein Stretchgewebe, das Merinowolle enthält. Es trägt sich nicht nur angenehm und gefällt mit einem hohen Klimakomfort, sondern punktet auch mit einer top Ausstattung und dem besten Wetterschutz – was neben der dauerhaft imprägnierten Außenhülle an der Kapuze mit ihrem großen, festen Schild liegt.

Eine weitere Kaufempfehlung verdient das neue Vaude Alphapro Jacket – der ideale Begleiter für sehr sportliche Touren, ob zu Fuß, mit dem Bike oder auf Ski. Bei ihm kommt neben elastischen Stoffen auch Polartec Alpha zum Einsatz, eine spezielle Kunstfaserisolation. "Sie bietet unter allen von outdoor jemals getesteten Füllmaterialien den besten Klimakomfort, denn sie wärmt nicht nur, sondern kühlt wenn nötig und trocknet schnell", erklärt Boris Gnielka. Eine Tasche im Lendenbereich und zwei seitliche Netzfächer schaffen Stauraum, um ohne Rucksack losziehen zu können.

Doch nicht bei allen Hybridjacken dieser Kategorie überzeugt die Auswahl der Materialien. Beim Outdoor Research Centrifuge leidet der Klimakomfort wegen der nicht ganz so atmungsaktiven Außenhaut, während das Eider Pulse Hybrid Jacket noch etwas windabweisendere Stretcheinsätze vertragen könnte. Und beim Ternua Sunlight Jacket saugt sich der schwach imprägnierte Schulterbereich und die Arme schon bei Niesel sofort mit Wasser voll.

Hybridjacke / Link zum Testbericht Preis
Ortovox Piz Palü Jacket (Kauftipp) 300 Euro
Vaude Alphapro Jacket (Kauftipp) 200 Euro
Eider Pulse Hybrid Jacket 250 Euro
Outdoor Research Centrifuge Hoody 180 Euro
Salewa Fanes PL/TW Jacket 220 Euro
Ternua Sunlight 200 Euro

Wind- und nässefeste Hybridjacken

Die drei Hybridjacken aus der Wind- und Nässeschutzkategorie isolieren weniger als die bereits erwähnten Hybridjacken, schützen aber noch besser gegen Feuchtigkeit. Das liegt vor allem an der großflächigen Verarbeitung von stark nässeabweisenden oder wasserdichten Materialien. Diese Hybridjacken ersetzen bei Dauerregen zwar keine Funktionsjacke, tragen sich dafür aber durch ihre Stretcheinsätze und körperbetonten Schnitte geschmeidiger und sind weniger schwitzig – die perfekte Wahl für Wintertouren oder kühle, windige Tage, an denen es tagsüber immer wieder nieselt.

"Einen klaren Gewinner gibt es in diesem Trio nicht, vielmehr hat jedes Modell Stärken", sagt Boris Gnielka. Die Adidas Agravic Hybrid Softshell glänzt mit einem minimalen Gewicht und Packmaß – praktisch, um es immer mitzunehmen. Arc’teryx setzt bei der Arc’teryx Alpha Comp auf wasserdichtes, atmungsaktives Dreilagen-Gore-Tex sowie wind- und wasserfesten Stretchstoff. Dadurch hält es beim outdoor-Beregnungstest rund doppelt so lange durch wie Adidas-Jacke. Das Fjällräven Keb Jacket schließlich begeistert als robuste, funktionelle Trekkingjacke für den hohen Norden: Wird das Polyester-Baumwollgewebe mit Grönlandwachs imprägniert, liegt ihr Nässeschutz auf Arc’teryx-Niveau. Außerdem schützt die Kapuze dank des mächtigen, röhrenförmigen Schilds hervorragend vor eisigem Wind.

Hybridjacke / Link zum Testbericht Preis
Adidas Agravic Hybrid Softshell Jacket 230 Euro
Arc'teryx Alpha Comp Hoody 380 Euro
Fjällräven Keb Jacket 300 Euro

Hybridbekleidung als komfortable Zwischenschicht

Bei der nächsten Dreiergruppe handelt es sich um Jacken, die sich aufgrund ihrer wenig windabweisenden Fleecestoffe vor allem als Isolationsschicht zum Drunterziehen eignen. Sie sind sehr komfortabel, unterscheiden sich aber in puncto Isolation und Materialzusammensetzung. Am wärmsten ist das Millet Trilogy X Wool Jacket aus kuscheligen Hochflorfasern und Stretchpartien mit Wollanteil. "Für mich die richtige Wahl für Wintertouren", sagt Susanne Wacker, eine der verfrorenen Testerinnen.

Joel Vermillion gefällt hingegen das Icebreaker Ellipse am besten. Der Kapuzenpulli besteht aus einem eher dünnen, elastischen Merinostoff, die Kapuze und der Brustbereich besitzen eine zusätzliche Wollfüllung mit einer winddichten Außenhülle. Sie mögen keine Wolle? Dann empfiehlt sich das Mammut-Modell. Es wird aus zwei unterschiedlich dicken, dehnbaren Polyesterfleecequalitäten hergestellt.

Hybridjacke / Link zum Testbericht Preis
Millet Trilogy X Wool Jacket (Kauftipp) 200 Euro
Icebreaker Ellipse LS Half Zip Hoody 180 Euro
Mammut Aenergy Light ML Hooded Jacket 140 Euro

Hybridhosen im Test

Auch die meisten getesteten Hosen bieten eine starke Performance und decken ein breites Einsatzspektrum ab. Am vielseitigsten ist die aus mehreren Stretchstoffen gefertige Direct Alpine Cascade Plus: Sie macht jede Bewegung mit, punktet mit hohem Tragekomfort und ordentlichem Wetterschutz. Die Fjällräven Keb Trousers spielt ihre Stärken auf Trekkingtouren im hohen Norden aus. Bei ihr werden die gleichen strapazierfähigen Materialien verarbeitet wie beim getesteten Fjällräven Keb Jacket, also das G-1000-Baumwoll- Polyester-Mischgewebe in Kombination mit elastischen Einsätzen. Außerdem bietet sie eine hochfunktionelle Ausstattung und hält stundenlangem Niesel sowie eisigem Wind stand.

Ein weiteres Highlight steuert Mammut bei: Die Mammut Aenergy Tour Pants trägt sich geschmeidig, wärmt und schützt hervorragend vor Wind und Wetter – ideal für Winter- und Schneeschuhwanderungen oder zum Tourengehen. Eine Sonderrolle übernimmt der mit Wolle gefütterte Rock von Ortovox, der die Herzen der Testerinnen im Sturm eroberte, hält er doch das Gesäß und die Oberschenkel warm.

Hybridhose / Link zum Testbericht Preis
Direct Alpine Cascade Plus (Kauftipp) 200 Euro
Icebreaker Mammut Aenergy Tour SO (Kauftipp) 200 Euro
Adidas Terrex Skyrunning Pants 160 Euro
Fjällräven Keb Trousers 220 Euro
Salewa Sesvenna TW Pant 220 Euro
Ortovox Lavarella Skirt 150 Euro

Fazit

Alles in allem bietet die aktuelle Hybridbekleidung für fast jeden Einsatzzweck das richtige Teil. Wer ein möglichst vielseitiges Outfit möchte, sollte sich das Ortovox Piz Palü Jacket und die Hose von Direct Alpine anschauen, für Nordlandliebhaber empfiehlt sich das robuste Fjällräven-Set, während Wintersportfans zur Mammut Tour Pants greifen – und diese zum Beispiel mit der Jacke von Arc’teryx sowie einem der drei Teile zum Drunterziehen kombinieren. Das Vaude Alphapro Jacket schließlich ist die richtige Wahl für sportliche Skitouren sowie zum Trailrunning oder Biken im Winter.